Basedow und die Bauern

Mit Blick auf drei reparierte Hochsitze,eine alte Scheune und ein nahendes Gewitter sitze ich im Heck des Busses auf dem Hof vom Jäger in Gäu Gielow. Es zieht es massives Gewitter auf, die Luft ist aufgeladen und schwül. Und ich war bissle beunruhigt, wo ich sicher stehen könnte mit dem Bus, wenn es stürmt oder hagelt oder blitzt. Im Wald keine gute Idee, draussen auf freier Fläche auch nicht. In Christianenhof habe ich ein Schild gesehen „Wildfleisch zu verkaufen“. Kurzerhand angehalten und den Förster gefragt, ob er eine Idee hätte, wo ich sicher stehen könne. „Wenn Sie wollen: bei mir auf dem Hof“, „wenn ich Sie da nicht störe“ „sind Sie autark?“ 

Klar bin ich autark. Habe ja Strom und Wasser und Essen und WC….

Dann habe ich ihm 2 Packungen Rotwildwurst abgekauft und bin seinem Rat gefolgt, Basedow noch vorher anzuschauen. 

In der Zwischenzeit verdichtete sich das Wetter von Sommerhitze auf Schwüle mit leichtem Wind. 

Basedow kannte ich bisher nur als Krankheit, benannt nach einem Arzt Carl von Basedow aus Merseburg. 

Basedow ist aber auch eines der schönsten Städtchen hier in der Mecklenburgischen Seenplatte mit einem – kitschigen – Schloss, das eine adlige Familie Hahn bauen ließ, mehrfach wurde es stilistisch verändert von mehreren Architekten. Der letzte Nachfahre ist im Alter von 20 im 2. Weltkrieg in Russland gefallen…..Zudem wurde das Archiv des Schlosses durch einen Brand zerstört am Ende des 2. WK und dann kam die rote Armee und übernahm das Schloss, es zogen Flüchtlinge ein und heute sind Wohnungen drin und davor weiden Schafe…. eine bewegte Geschichte von Zerbruch, Untergang und Missbrauch. 

Ich bin um das Schloss gelaufen, habe den Gedenkstein vom jungen von Hahn lange angeschaut und bin bei 2 Pferden noch eine Weile stehen geblieben, um mich mit einem Friesen-Kaltblut zu unterhalten. Wie das geht? Ich stehe vor der Koppel seitlich vor ihm und warte, er kommt her, legt mir seinen Kopf auf die Schulter und schnauft mir ins Ohr, das ganze Pferd zittert in einem fort Fliegen weg. Lange steht er da bei mir und pustet mir mit seinen Nüstern ins Gesicht und seine dunklen Augen schauen mir wie in die Seele. 

Irgendwann wurde es uns beiden Zuviel, genug geredet hier in MeckPomm. Ich schlenderte zu dem einzig offenen Café und ließ mir die Geschichte, die Dramen und die Jetztzeit bei einer Tasse Kaffee mit Schmandkuchen nochmal durch den Kopf gehen. Es wurde immer schwüler und dichter in der Luft. 

Ich sollte besser mal fahren. 

Unterwegs: In Gessin am Ortsteich saßen in der Abendsonne drei Dorfgrazien und schnakten  den Tag durch. Da haste als Westler nichts bei verloren dachte ich und fuhr weiter.

Die Sonne stand tief überm Horizont, in der Ferne regnete es schon, dunkle Wolken, eine Wahnsinnsstimmung, hochaufgeladen. 

Die Bauern kämpften gegen die Zeit, um die Strohballen vom Feld zu holen. 

Ich bewundere die Land-Wirte, die Bauern. Für mich ist BAUER kein Schimpfwort, sondern eine Art Heldenbezeichnung. Mich haben Traktoren immer beeindruckt, Mähdrescher und anderes Riesengerät zum Bearbeiten der Felder. Sie arbeiten für unser Essen, Trinken, für Tiernahrung und sie schützen Boden und Land. Eigentlich…. Das Ganze wird aber verzogen und verzerrt durch Subventionen und tausende von Vorschriften, die sich gegenseitig oft widersprechen und mit Naturschutz nicht viel gemein haben. 

Die beiden, die mir heute mit ihren Mega-Hängern vollgepackt mit Rundballen vom Feld entgegenkamen: ich habe ihnen ehrfürchtig Platz gemacht, bin an die Seite gefahren, habe ihnen gewunken und sie freuen sich. Immer. 

Jetzt stehe ich hier unterm Kastanienbaum im Hof, es blitzt und donnert und der Bus wackelt und ich bin einfach nur dankbar, dass Menschen Menschen helfen, wenn man sie lässt und wenn sie sich vertrauen. 

Beim Schreiben blitzt es durch die Dachluke, der Bus wird abwechselnd hell erleuchtet. Chai wurde es unheimlich und er ist nach vorne vor den Beifahrersitz gehopst, über zwei Wasserkanister drüber. 

Da liegt er jetzt und schnarcht mal wieder. SO entspannt wäre ich auch gern.

Mal sehen, was morgen ist und ob ich an die Ostsee weiterfahre. 

Hat es bei Euch auch gewittert?

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