Von Ost- an Jabelsee und quer in den Harz – oder: wo soll das noch hinführen?

Meine Füße stecken im Sand. Bei Jabel in der Mecklenburgischen Schweiz am See. 

Lebe jeden Tag als wäre es dein letzter, war mir noch nie so bewusst wie jetzt. 

Heute morgen von der Ostsee in Rogowo weggefahren bei Nieselwetter, dann alle Arten von Regen gehabt auf dem Weg nach Stettin. 

Wenn Ihr mal wissen wollt, wie stabil Euer Auto ist und wie gut Eure Nerven:  fahrt „Autobahnen vermeiden“ und „kürzeste Strecke“, so lernt man Polen kennen, alle Dörfer bis zum Ziel, alle Belagsarten, alle Stoßdämpferzustände, auch weiss man danach, ob der Auspuff ungeahnt tiefe Pfützen wegstecken kann oder nicht und wie es sich anfühlt, wenn man nach 30 km langer Abenteuerstrasse durch Märchenwälder holpernd wieder auf „normale“ Straßen kommt: Stille. Ich dachte nach all dem Gehopse und Gerüttel:  was mache ich nur jetzt mit dieser Stille? Fährst du von Kopfsteinpflasterbelagstudienmitwasserpfützeneinlagen raus auf Teer: Zack Ruhe! Und ich hatte echt noch alle Tassen im Schrank im wahrsten Sinn des Wortes und im doppelten auch noch. 

Mein Navi sagte immer wieder „folge der Straße noch 4 km“, nächstes Dorf „folge der Straße noch 5 km“, 8km, 9km….Und „in 200 Meter rechts ab“, ich so: DA REINFAHREN??! Nicht Dein Ernst! In diese kleine Seitenstraße mitten im Wald??! Aber: ich wollte Landstraße fahren… und die wurden geliefert. Kein Auto kam mir entgegen, ellenlange Mischwälder und einsame Wege durch Alleen und entlang von Feldern. 

Gleich war mein Alter Ego zur Stelle: was wenn Dir hier was passiert? Hier leben auch Menschen und die sind genauso hilfsbereit, war die Antwort von tief innen. 

Und du kannst dich wegschmeißen, wenn die Dame vom Navi versucht polnisch zu reden! 

Irgendwann dann Stettin. Vorher hatte ich auf „Autobahn zulassen“ umgestellt und bin nach Deutschland geradezu geschwebt. Mein Oskar hat das alles prima gemacht. 

Uckermark: Leute, das besteht gefühlt nur aus Windrädern. Die Vögel sind sicher ausgewandert wie manch anderer auch.

Dann über Waren nach Silz zu einem Gespräch mit einem interessanten Mann, den ich beim Bestaunen und Fotografieren seines Hauses kennenlernte letzte Woche schon. War dabei einen vermeintlichen Feldweg hochgefahren, der sich als Privatweg herausstellte, dann war hinter mir ein Handwerkerauto, was mir aufblendete und ich machte peinlich berührt durch das Fenster ein Zeichen, dass ich umdrehe, ihr wisst schon: so ne kreisende Hand-Bewegung und fuhr in seinen Hof, um zu wenden. Da steht er neben meinem Bus und klopft freundlich an meine Scheibe und keine 10 Minuten später saß ich in seiner Küche aufnen Kaffe und wir hatten die gleichen Gedankengänge zu dem Zeitgeschehen. Kannste nicht machen! Seine Lebensgefährtin wird mir jetzt noch weitere Unterlagen zukommen lassen. Spannende Zeiten.

Jetzt stehe ich auf einem See-Camping-Platz bei Fred, gefunden über die App, die jeder Camper kennt. „Ich such dir nen schönen Platz am See“ sagt Fred, „und der Hund ist auch kein Thema, Platz 30“. Sind die nummeriert? Nö, er hat selber einen Plan gemalt, doofer Computer hilft da auch nicht weiter, 3. Platz hinten am See. Wirklich direkt am See!!! Ich wieder im Glück. Ein kleiner See, neben mir steht der typische Camper alter Garde: Vorzelt ausgefahren, Matte drunter, Grill aufm Tisch, kleines Zäunchen drumherum aufgestellt, damit seine Hündin nicht wegrennt.

„Hatte ich früher auch immer angeleint. Aber dann rennt die rum und kippt den Tisch um mit meinem Bier, geht gar nicht!“

Kenne ich. Mein Wein war auch hohenbogens schon im Gras gelandet deswegen…. Man lernt ja dazu….

Ich schlendere durch Jabel und finde eine Dorf-Gaststätte mit Biergarten unter Lindenbäumen. Urig und bodenständig. Schließe die Augen und versuche herauszufinden, wo die Leute herkommen. Ost, West, Süd….

Jetzt noch im Sonnenuntergang an den See und dann IN den See. Gibts ja gar nicht: Sandstrand und warmes Wasser! 

Wenn ich hier wohnen würde, wäre ich jeden Tag im Wasser, zu fast jeder Jahreszeit. Fast so gut wie Waldbaden in der Pfalz!

Heute dann einmal quer durch Deutschland ohne Autobahn, von MVP in den Harz in 4 Stunden, überall Windräder.

Leute: wollt ihr demnächst auch überall eingekreist sein mit den Dingern? Keine Lanschafften mehr, nur noch die Mühlen!??? Horizontweise überall!!?? Es gibt nur noch wenige Landstriche in Deutschland ohne dies fraglich umweltfreundlichen Schleudern. Was ist mit den Vögeln, den Insekten? Ist gesichert, dass sie nicht krank machen? Warum beforscht man sowenig andere Techniken, die evtl nicht so viel kosten aber die Menschen autark machen? Ja warum? 

Ich bin heute durch soviel unterschiedliche Landschaften gefahren, meine Heimat, ich liebe sie. Aber nicht, wenn sie so sinnlos vergewaltigt wird. So fühlt es sich für mich an. 

Fragt Euch: wollt ihr in Zukunft zwischen diesen Stängeln mit surrenden Flügeln leben? 

Wollt Ihr wahrgenommen werden als Energieschleudern?

Oder ist es eine Option, gemeinsam in kleinen Gemeinschaften, Dörfern autark zu leben und zu „arbeiten“? 

Störtebekers auf dem Land sozusagen? Sandra fragte vorhin: kannste das denken? Ja, kann ich und ich freue mich auf Menschen, die MITGESTALTEN wollen. 

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