Lindenblüten, Babel und eine Prozession

Ich pflücke Lindenblüten unterhalb des Kastanienweges, manchmal muss ich dazu auf eine Bank steigen und die Äste vorsichtig herunterziehen. Bin eingehüllt in Vogelgezwitscher von Rotkehlchen, Amseln und Buchfinken… mein Gehirn will zeigen, dass es die Namen kennt, mein Herz will schlicht lauschen und diese Naturakustik,  – olfaktorik und -optik von Ohren, Nase und Augen tief in sich sinken lassen und es in alle Zellen verteilen.

Das Sammelsäckchen baumelt halb voll an meinem Gürtel, ich rieche in meinen Händen den Lindenblütenduft heraus. 

WALDmedizin. Ich bin Wald- und Wanderärztin in einem tiefen Sinn, wird mir bewußt. Mir wird immer klarer, dass es nicht allein um sammeln und bewegen geht. Vielmehr um Selbst-Bewusstsein und überhaupt Sein. Daraus ergibt sich Heilung. Sie hat nichts mit purer Gesundheit zu tun. 

Über Gesundheit halte ich gern immer wieder Vorträge oder: wir wandern mal ein Stück gemeinsam durch den Wald. 

 Eine Biene sitzt erschöpft auf einem Lindenblatt, ihre Beinchen schwer von Pollen. Ahnen wir eigentlich, wie sie sich abmühen, wenn wir einen Löffel Honig naschen?

Über mir wird emsig gesammelt. Ich zupfte achtsam Blüte um Blüte, puste kleine Käfer zurück in die Natur.

Wenn ich am Baum vorbei rausschaue auf die Ebene Richtung Landau/Herxheim und in den Himmel, wird mir übel, ich werde traurigwütend bei soviel Ignoranz und Arroganz. Die Widersprüche zwischen vollkommener Natur, alles aufeinander eingestimmt, und Perfektions-und Machbarkeitswahnsinn am Horizont und am Himmel lösen bei mir Kloßgefühle aus. Und wir sind damit ja noch nicht am Ende der Größenwahn-Richterskala angelangt. 

Wie lange werde ich noch Bienen sehen und Vögel hören? Unten stehen die Himmels-Schredder und AM Himmel die Wasauchimmerdarunterkommt-Streifen. Hier wieder: gesund ist das beides nicht. Von Heilung ganz zu schweigen.

Könnte mal einer machen, der gut ist im Morphen von Bildern: eine Landschaft per morphing „verhübschen“ zu einem Windrad-Solaranlagen-Nutzpark. Gern mir zusenden….

Eine Amsel scharrt UNTERM Kastanienbaum, ein Rotkehlchen trällert OBEN AUS dem Baum.

Wie hieß das Buch von Erich Kästner, das mit den Tieren?

„Konferenz der Tiere“

Und wie das Gleichnis aus dem alten Testament?

„Turmbau zu Babel“

Aha. Warum kommt mir das jetzt in den Sinn? 

Was würden die Tiere machen, wenn sie wüßten, was „wir“ (wer genau ist das?) mit ihnen vorhaben? 

Welches Geräusch macht diese Art von „Turm“, wenn er zusammenbricht? 

Wir spielen Gott, nein nicht wir alle. Das machen einige mit wirren Ideen.

Menschen kommen – noch – nicht aus dem Silikon Valley. Sie sind hier auf dem Planeten seit tausenden von Jahren, immer anpassungsfähig, durch alle Hitzewellen, Nöte und sonstige Verschiebungen durchgekommen. Warum? Weil sie an der DNA rumgeschraubt hatten? Weil sie glaubten, sie seien Gott und könnten alles besser als ER? Man müsse Gott optimieren? Aber genau das glauben jetzt einige Transhumanisten, die mit ihren Wahnideen, unterstützt von daran verdienenden „Großkopferten“, die die ganze Welt samt Menschheit perfektionieren wollen. Wem dient das? Immer fragen: WEM DIENT DAS?

Dem einzelnen Menschen?

Menschen können nicht schöpfen; sie können Wunderschönes und Nützliches erSCHAFFEN: Kunst, Technik, Musik, Gebäude…

Aber keinen einzigen Kastanienbaum, keine Biene, keine Blüten haben sie erfunden und geschöpft.

Sie können modulieren und manipulieren, züchten und vor allem zerstören, was Jahrhunderte zum Wachsen gebraucht hat.

Ich sitze mittlerweile an einer Bank in einer Waldnische. Wald wird heutzutage als Wirtschaftsgut gesehen. Als Material.

Wir müssen aufpassen, dass nicht bald auch WIR als Material angesehen werden….

Ich gehe langsam Richtung Auto, mein Täschlein voller Blüten, auch Schafgarbe und Johanniskraut und Giersch ist mal wieder drin. Werde mir Eier machen mit Giersch und Karotten.

Fahre dankbar sinnierend durch die Weinberge nach Landau.

Kaum das Auto in die Waffengasse geparkt, Tür auf: Trompetenklänge und Gesang. Stimmt: Fronleichnam. Prozession durch die Stadt.

Eigentlich wollte ich jetzt mal frühstücken. 

Entscheide mich um und gehe in meinen Wanderklamotten samt Schafsjacketchen und Rucksack kurzentschlossen einfach mit. Was ist mit mir los: ich fange beim Singen an zu weinen, nicht schon wieder! 

Dann bremse ich meinen Verstand aus, der weiss ja eigentlich nicht weiter, und höre in mich hinein, schließe halb die Augen und laufe langsam mit. Kann nicht mitsingen, Kloß im Hals. Wann war ich das letzte Mal bei einer Prozession? Jaaaahre her. Hinter mir geht gefühlt meine Oma und singt auch mit ihrer hohen Stimme inbrünstig mit. Es ist irgendwie skurill und doch so pralles Leben, ich laufe jetzt gleich über, ich schwitze (Verstand sagt: klar: hast ja Schafsjacke an bei 30 Grad. Herz sagt: nö, liegt an den Gefühlen…), vorbei an Kebab-Stuben, durch die Fischverkäuferaußenbestuhlung schlängeln, alle singen, ein Kind streut Blüten, Trompetenschall, über den Gassen flattern Buddha-Fähnchen, in der Menge springt und klatscht ein junger Mann immer wieder, dann geht er einfach unter dem Baldachin der Prozession durch. Seine Mutter versucht ihn wieder einzufangen mit Bedacht. Wir gehen andächtig in die Kirche rein, Orgelspiel. Ich gehe wie in Trance in die Kirchenbank mit meinen Wanderschuhen, mitsingen, hinknien, aufstehen… 

Die Orgelklänge gehen durch mich durch wie schon lange keine Musik mehr. Vollkommen erfüllt bis in die letzte Zelle stehe ich da.

Bin sehr dankbar, dass Menschen solche Musik komponieren und sie derart ergreifend und virtuos spielen können. Für DIESE Menschen gehe ich.

Bei „Großer Gott wir loben Dich“ ist es ganz geschehen: ich versuche mitzusingen mit Tränen in den Augen.

Ich weiß, was ich vermisst habe in den letzten zwei Jahren: christliche Gemeinschaft,  JEDER darf kommen. 

Mit dieser Energie jetzt einen Vortrag über Gesundheit und Heilung vorzubereiten wird eine spannende Sache werden.

2 Kommentare
  1. Gabi kugelmann
    Gabi kugelmann sagte:

    Liebe Ute,
    vielen DANK für dein SEIN und dein Wirken. Deine Worte erfüllen mich mit Dankbarkeit für unseren Schöpfer und aein wundervolles Geschenk an uns alle.

    Danke auch für das schöne Gespräch mit dir an der Wassertheke im Lifeplus connect Bereich in München.

    Es hat mich sehr bestärkt in unseren Entscheidungen bezüglich der medizinischen Maßnahmen die wir im Kindesalter NICHT an unseren söhnen haben vornehmen lassen.

    Herzliche Grüße aus Oberbayern,

    Gabi

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    • Ute Dauenhauer
      Ute Dauenhauer sagte:

      Hallo Gabi, danke für Deine Antwort. Freut mich sehr, wenn meine Gedanken bereichern! Und das Event in München war horizonteröffnend für viele!
      Liebe Grüße
      Ute

      Antworten

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